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Prävention hilft bei Kurzsichtigkeit

iStock.com / MarioGuti

In Europa ist bereits jeder zweite junge Mensch von der Kurzsichtigkeit betroffen. Die beste Prävention ist der Aufenthalt im Freien.

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Manuel Kovats

M.Sc. Optometrist SBAO
Präsident Schweizerischer Berufsversband für Augenoptik und Optometrie (SBAO)

Weshalb ist die Kurzsichtigkeit ein Thema?

Die Studien zeigen klar, es ist eine weltweite Zunahme der Kurzsichtigkeit zu verzeichnen. Aktuell leiden über zwei Milliarden Menschen an Kurzsichtigkeit. Mittlere und Hohe Kurzsichtigkeiten können im Alter zu Sehproblemen führen. Daher ist die Zunahme an Kurzsichtigen alarmierend.

Wie sehen die Prognosen aus?

Forscher rechnen damit, dass die Zahl der Kurzsichtigen bis 2050 auf fünf Milliarden ansteigen wird. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Zunahme der Kurzsichtigkeit gar zu einem weltweiten Gesundheitsproblem erklärt. Vor allem in Teilen Asiens steigt die Zahl der Kurzsichtigen rasant. Die Rede ist von 80 bis 90 Prozent der Jugendlichen. In Europa ist bereits jeder zweite junge Mensch betroffen.

Was wird unter «Kurzsichtigkeit» verstanden?

Betroffene mit Kurzsichtigkeit oder «Myopie» genannt, sehen in die Nähe besser als in der die Ferne. Der Schweregrad der Fernsicht kann ganz unterschiedlich sein und wird in den meisten Fällen bei Kindern zum ersten Mal auffällig. Physiologisch findet beim Auge selbst ein zu starkes waagrechtes Längenwachstum statt.
Durch das Tragen von Hilfsmitteln wie Brillen oder Kontaktlinsen kann jedoch der Brechungsfehler korrigiert werden. Eine operative Korrektur, die heutzutage meist mit Hilfe eines Lasers durchgeführt wird, ist in vielen Fällen ebenfalls möglich.

Was sind die Gründe? 

Nach den wissenschaftlich exakten Gründen wird fieberhaft gesucht. Zumindest teilweise kann davon ausgegangen werden, dass die vermehrte Kurzsichtigkeit mit veränderten Lebensumständen zusammenhängt und auch genetisch bedingt sind. Heute geht man nicht mehr davon aus, dass die Kurzsichtigkeit nur durch zu nahes Lesen am Bildschirm oder in einem Buch hervorgerufen wird.

Wer ist davon betroffen?

Vor allem Kinder ab ca. sieben Jahren und Jugendliche werden mit der Diagnose der Kurzsichtigkeit konfrontiert. Daher ist auch eine Prävention im Kindesalter angezeigt. Dass die Kurzsichtigkeit im Erwachsenenalter auftritt ist äusserst selten.

Was sind die Therapiemöglichkeiten?

Die Kurzsichtigkeit kann nicht rückgängig gemacht werden, daher sollten rasch Massnahmen zur Sehverbesserung und Stabilisierung unternommen werden. Konkret heisst das, sich eine passende Brille oder Linsen anpassen zu lassen. Früher ging man davon aus, dass man mit einer Brille die, die Kurzsichtigkeit nicht vollkommen korrigiert die Entwicklung der Kurzsichtigkeit bremsen kann. Leider musste man feststellen, dass das Gegenteil der Fall ist. Eine zu schwache Brille beschleunigt die Zunahme der Kurzsichtigkeit. Daher ist eine genau angepasste Brille oder Linse sehr wichtig. Sehr zu empfehlen sind Nachtlinsen. Sie werden nur in der Nacht getragen und sorgen dafür, dass die Sehkraft aufgeladen wird. Mit einer speziell angefertigten Kontaktlinse wird die oberste Hornhautschicht über Nacht modelliert. Dies verändert die Hornhaut und ermöglicht am Tag ein scharfes Sehen. Wenn die Kontaktlinsen optimal auf das Auge angepasst werden und die Hygienevorschriften eingehalten werden, ist die Anwendung unbedenklich. Diese Nachtlinsen haben in vielen Studien gezeigt, dass sie eine besser bremsende Wirkung auf die Entwicklung der Kurzsichtigkeit haben, als viele andere Linsen.

Welches sind die präventiven Massnahmen?

Die beste Medizin ist der Aufenthalt im Freien. Kinder sollen mindestens zwei Stunden pro Tag am Tageslicht verbringen. Studien belegen, dass Kinder, die sich mindestens zwei Stunden im Freien aufhalten, weniger von Kurzsichtigkeit betroffen sind. Allerdings ist es für die Wissenschaft nach wie vor unklar, was diesen positiven Effekt auslöst. Ist es das Tageslicht, die frische Luft oder die stärkere Bewegung der Kinder? In diesem Bereich wird daher intensiv weiter geforscht.

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