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«Wir setzen den Fokus auf den Menschen»

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Als Patient Care Managerin bildet Alexandra Schmid ein Bindeglied zwischen Pharmaunternehmen und Patienten.

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Alexandra Schmid

Manager Patient Care Affairs, Roche Pharma Schweiz AG

Seit einem Jahr arbeiten Sie als Patient Care Affairs Managerin bei Roche. Was kann man sich darunter vorstellen?
Meine Aufgabe ist es, die Stimme der Patienten ins Unternehmen zu bringen und so sicherzustellen, dass wir intern verstehen, welche Bedürfnisse Patienten im Laufe ihrer Erkrankung haben.

Nur so können wir sicherstellen, dass wir nebst unseren Medikamenten, bestmögliche Medizin gewährleisten können.

Unser Leitsatz lautet: Wir beschäftigen uns heute mit dem, was der Patient morgen brauchen wird.

Was heisst das konkret?
Unser Team arbeitet unter anderem daran, Informationsquellen und -angebote für Patienten zu schaffen. Aber auch der Austausch mit Patientenorganisationen, Ärzten, Apothekern und Krankenschwestern ist für uns essentiell sowie die Förderung klinischer Studien und personalisierter Medizin.

Letztlich haben alle Bemühungen zum Ziel, die richtige Behandlung dem richtigen Patienten zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung stellen zu können. Klingt simpel, ist es aber leider nicht.

Hätten die Bedürfnisse der Patienten nicht seit jeher im Zentrum von Roches Arbeit stehen sollen? 
Natürlich war das schon immer so, aber als Pharmaunternehmen sind wir auch an Gesetze und Verhaltenskodizes gebunden. In der Schweiz ist es beispielsweise verboten, als Pharmakonzern direkt bei Patienten über verschreibungspflichtige Medikamente zu sprechen.

Bestimmt hat auch die Digitalisierung dazu beigetragen, dass sich immer mehr Patienten selbst über ihre Erkrankung informieren wollen und mit ihrem Arzt ins Gespräch gehen. Es hat ein regelrechtes Empowerment stattgefunden. Wenn wir mit Ärzten sprechen, bestätigen sie uns, dass Therapieformen somit mehr und mehr zu einer gemeinsamen Entscheidung werden.

Weshalb investiert Roche als Pharmaunternehmen auf diese Art in Patient Care?
Wir wollen die Bedürfnisse der Patienten kennen. Der Patient soll aufgeklärt sein und wir wollen Betroffene während der gesamten Zeit der Erkrankung partnerschaftlich begleiten, sodass gemeinsam mit dem behandelnden Arzt der «bestmögliche Therapieentscheid» getroffen werden kann.

Nur so können wir sicherstellen, dass unsere Medikamente zielführend sind. Wenn wir Medikamente entwickeln, die z.B. Aufgrund einer falschen Anwendungsmodalität nicht verwendet werden können, hilft das niemandem.

Sie sind mit viel Leidenschaft bei Ihrer Arbeit. Gleichzeitig haben Pharmakonzerne nicht immer das beste Image. Wie gehen Sie damit um? 
Wenn Menschen das blaue Roche-Hexagon sehen, denken viele an ein riesiges, anonymes Unternehmen, das viel Geld verdient.

Natürlich sind wir ein Unternehmen, das nur existieren und Innovation fördern kann, wenn es ausreichend Gewinn macht. Aber dahinter stehen engagierte Menschen, die diesen Job gewählt haben, weil sie etwas in der Medizin und im Gesundheitswesen bewirken möchten. Ich stehe jeden Tag gerne auf, wenn ich weiss, dass es Menschen da draussen gibt, die Unterstützung brauchen und wir einen Teil dazu beitragen können.

Ist es schwierig, das nach aussen zu vermitteln? 
Anfänglich wusste ich nicht genau, wie die Menschen auf uns reagieren werden. Genau deshalb ist Aufklärungsarbeit auch so wichtig. Die breite Öffentlichkeit soll sehen, dass wir weit über die reine Medikamentenherstellung hinaus in ganz viele Bereiche investieren. 

Wie gut funktioniert das? 
Wenn wir auf Patienten, Ärzte oder Patientenorganisationen treffen, sind die meisten überrascht, dass wir auch nur Menschen und eigentlich ganz nett sind (lacht). Die Treffen mit Patienten hingegen sind häufig aber auch sehr emotional. Letzten Oktober organisierten wir einen Beautytag für Brustkrebspatientinnen.

Sie sollten für einige Stunden ihre Erkrankung vergessen können. Viele kamen sehr traurig hinein und waren am Schluss sehr glücklich. Das ist unglaublich berührend. Immer wieder kommen zudem Patienten auf mich zu und sagen mir „Ohne eure Medikamente wäre ich heute nicht mehr am Leben“. Es ist wahnsinnig schön und bestätigt einen, dass man das Richtige tut.

Wie schwierig ist es, die Botschaft der Patientennähe nach Innen zu vermitteln? 
Auch das habe ich mir schwieriger vorgestellt. Wir haben hier bei Roche viele engagierte Persönlichkeiten, die schon längst erkannt haben, dass es wichtig ist, die Patientenstimme im Unternehmen zu haben und deren Bedürfnisse zu kennen. Natürlich stösst man auch mal auf Widerstand, aber genau das macht unsere Arbeit so spannend und vielfältig. 

Auf welche Aktivitäten, die Sie realisiert haben, sind Sie besonders stolz? 
Ich bin eher erstaunt und sehr dankbar darüber, dass praktisch alle Projekte, die wir aufgegleist haben, so reibungslos verlaufen sind. Wir stossen auf sehr offene Ohren. So haben wir mit vielen Patientenorganisationen wie bspw. der Krebsliga oder Europa Donna Partnerschaften und Projekte lanciert und unterstützt.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir etwa der Fokus Mensch Beautyday in Basel für Brustkrebspatientinnen, die Pink Circles Brustkrebscafé Tour oder aber unsere interne Solidaritäts-Strickaktion für die Vereinigung “Knitted knockers”. Dabei haben unsere Roche-Kolleginnen Brustprothesen gestrickt, damit Frauen ihr Dekolleté nach einer Mastektomie kurzfristig etwas verschönern konnten.

Zudem haben wir im letzten Jahr die neue Webseite «FOKUS MENSCH» für Patienten und Angehörige ins Leben gerufen. Dabei legen wir – wie es der Name der Webseite schon sagt – den Fokus nicht nur auf die Erkrankung, sondern auf das Wichtigste: den Menschen.

Sie lieben Ihren Job, oder? 
Absolut! Bei Roche gibt es drei Werte: Integrität, Mut und Leidenschaft. Ohne integer zu sein, kann man heute nicht arbeiten. Mutig zu sein, ist gerade im Bereich Patient Care extrem wichtig.

Der dritte Punkt, die Leidenschaft, ist für mich persönlich am wichtigsten. Es braucht aber auch Menschen um einen herum, die mit genauso viel Leidenschaft ihre Tätigkeit ausüben und mit denen man gemeinsam Hürden überwinden kann. 

Wie viele Patienten erreichen Sie mit Ihrem Engagement? 
Aus Patient Care Perspektive, messen wir unseren Erfolg nicht an einer absoluten Zahl. Unser Ziel ist es, all jenen Patienten, die auf der Suche nach Informationen sind, diese im Rahmen unserer gesetzlichen Möglichkeiten zugänglich zu machen.

Es geht nicht um eine Anzahl, sondern um jeden Einzelnen. Es geht darum, etwas zu tun. Jeden Tag einen Schritt mehr. Für jeden einzelnen Patienten. 

FOKUS MENSCH

Brustkrebs bedeutet nicht nur Kranksein. Auch Leben und Gesundwerden gehören dazu. Auf der informativen Webseite «FOKUS MENSCH» finden Sie wichtige Informationen und Hilfestellungen, die Ihnen den Umgang mit der Erkrankung erleichtern können.

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