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Teledermatologie

Anfragen aus dem Amazonas möglich

telemedizin, dermatologie
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iStock.com / ti-ja

Christian Greis sieht medizinische Online-Anfragen als die Zukunft. In der Dermatologie kann die rasche Online-Diagnose tödlichem Hautkrebs zuvorkommen.

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Dr. med. Christian Greis MBA

Assistenzarzt an der Klinik für Dermatologie, Universitätsspital Zürich 

Haben Sie Anfragen aus der ganzen Schweiz?

Ja,  Privatpersonen, neu auch Apotheker und Ärzte bitten uns um Diagnosen bei Hautveränderungen. Die viersprachige Online-Beratungsplattform wurde unter anderem in Zusammenarbeit mit den Universitätsspitälern Zürich und Basel sowie dem Triemlispital aufgebaut. Beratend stehen zertifizierte Dermatologen aus der ganzen Schweiz zur Verfügung.

Was für Hautkrankheiten sehen Sie?

Von Ekzemen über Hautpilze bis hin zu Hautkrebs. Uns erreichte etwa von einem Hausarzt eine Online-Anfrage für einen seiner Patienten. Auf dem Foto stellten wir Hautkrebs fest.

In kürzester Zeit erhielt der Patient die Diagnose und darauf den Termin beim Dermatologen.

Der Hautkrebs konnte behandelt werden. Ohne das Online-System hätte die Wartezeit deutlich länger gedauert. Der Hautkrebs hätte im schlimmsten Fall streuen und lebensbedrohlich werden können.

«Viele Patienten möchten zeitnah eine ersten Ratschlag und sind sehr froh um den neuen Kanal. So können häufig unnötige Sorgen und Stress vermieden werden.»

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Prof. Dr. Dr. Alexander Navarini

Chefarzt an der Klinik für Dermatologie, Universitätsspital Basel

Wie gehen Sie mit exotischen Fällen um? Wenn jemand mit einem riesigen Eiterpickel aus Afrika oder Südamerika zurückkehrt?

Das ist eine der Stärken der Teledermatologie: Egal, wo Sie sind, können Sie eine Online-Anfrage stellen. Es genügt ein Internetcafé in Buenos Aires oder ein Satellitentelefon, falls Sie sich im Amazonasgebiet aufhalten.

Von einem Schweizer Dermatologen erhalten Sie dann Antwort, was Sie haben oder wie Sie mit Ihrer Hautveränderung vor Ort umgehen sollen.

Eignen sich Online-Anfragen auch für Notfälle?

Nein. Wenn es sich für den Patienten um einen Notfall handelt, es ihm schlecht geht, er Fieber oder Atemnot hat, muss das innerhalb von wenigen Stunden gesehen werden. Da sollte keine Online-Anfrage eingereicht werden, denn die Antwort darauf dauert hier bis zu 24 Stunden.

Ihre Plattform existiert seit rund einem Jahr. Steigen die Anfragen an?

Ja, wir verzeichnen steigende Nutzerzahlen. Gerne vergleichen wir unsere Plattform mit Onlinebanking: Gehen Sie heute noch wie vor zehn Jahren zur Bank und geben Ihren Einzahlungsschein ab?

«Als grösste dermatologische Klinik der Schweiz setzen wir mit über 70.000 ambulanten Konsultationen pro Jahr zunehmend auf digitale Prozesse. In unserer Poliklinik werden wir bald eine Online-Sprechstunde anbieten.»

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Prof. Dr. Thomas Kündig

Leiter Poliklinik & Forschung an der Klinik für Dermatologie, Universitätsspital Zürich

Die Dermatologen könnte man in der Medizin als Vorreiter der Online-Beratung bezeichnen.

(lacht) Wenn Sie uns so nennen wollen. Aber ja, wir sind die ersten, die das so umgesetzt haben. Hauterkrankungen eignen sich natürlich besonders gut zur Online-Diagnose.

Wie sieht es mit anderen medizinischen Bereichen aus?

Auch Rheumatologen, Augen- und Kinderärzte haben nun Interesse am Online-System gezeigt. Als alleinerziehender Elternteil muss ich für einen Arztbesuche einen Tag frei und das kranke Kind aus der Kita nehmen. Mittels einer Online-Anfrage könnte ich am Abend Fotos hochladen und am nächsten Tag erhalte ich die Diagnose, ob es Masern, Röteln oder Windpocken sind.

Neu erhalten Sie Anfragen von Apothekern?

Genau. Viele Menschen – eine Studie zeigt, dass es sich um zweidrittel aller Patienten mit Hautleiden handelt – gehen zunächst in die Apotheke. Wir haben neu ein Tool integriert, damit der Apotheker, zum Beispiel aus einem abgelegenen Dorf im Graubünden, stellvertretend für die alte Dame eine Online-Anfrage stellen kann.

Apropos alte Dame: Bemerken Sie bei den Nutzern Altersunterschiede?

Ja, die Plattform wird vor allem von Leuten zwischen 20 und 55 Jahren genutzt, weniger von älteren Menschen. In zehn Jahren wird das anders aussehen.

«Patienten mit Hauterkrankungen aber auch Geschlechtskrankheiten scheuen häufig den Weg zum Arzt. Durch eine Online-Sprechstunde sinkt die Hemmschwelle.»

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Prof. Dr. Stephan Lautenschlager

Chefarzt am Dermatologischen Ambulatorium des Stadtspitals Triemli Zürich

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