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Psoriasis – Behandlung lohnt sich immer, auch in leichten Fällen

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Geduld und Beharrlichkeit sind erfolgversprechende Einstellungen um die Psoriasis – auch bekannt als Schuppenflechte – auf ein erträgliches Mass zu reduzieren oder gar zeitweise verschwinden zu lassen. In schweren Fällen können hochwirksame Medikamente, sogenannte Biologika die chronische Krankheit erfolgreich bekämpfen.

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Prof. Dr. med. Matthias Möhrenschlager

Chefarzt Dermatologie an der Hochgebirgsklinik Davos

“Die Psoriasis ist eine erbliche und entzündliche Erkrankung”, sagt Privatdozent Dr. med. Matthias Möhrenschlager von der Hochgebirgsklinik Davos. Je mehr Blutsverwandte mit einer Psoriasis desto höher das Krankheitsrisiko für Nachkommen. Und um es gleich vorwegzunehmen: “Die Psoriasis ist nicht ansteckend”, sagt der Hautspezialist.

Die Schuppenflechte: Eine Systemerkrankung

Das Leiden wird heute als Erkrankung des Gesamtorganismus angesehen (sog. Systemerkrankung). Sie betrifft in der sichtbaren Form vornehmlich die Haut. Die Psoriasis hat ein charakteristisches Aussehen und eine typische Verteilung der betroffenen Hautareale

Neben der Haut können in bis zu 30 Prozent der Fälle auch Gelenksentzündungen auftreten.

Gelegentlich sind sogar nur die Gelenke befallen und auf der Haut ist keine Psoriasis sichtbar. Verbunden ist ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für Diabetes, Herzkreislauferkrankungen, Fettstoffwechselstörungen und starkes Übergewicht. Diese Risiken sollten bei der ärztlichen Untersuchung überprüft und bei Bestätigung in das Therapiekonzept einbezogen werden.

Psychische Belastungen sind keine Seltenheit

Der Befall von gut sichtbaren Körperstellen führt bei den Betroffenen vielfach zu grossen seelischen Belastungen. Für Laien können solche Hautstellen abstossend wirken. Dies spüren die Patientinnen und Patienten und ziehen sich oft zurück. Darunter leidet laut Möhrenschlager das Selbstwertgefühl enorm. “Es werden auch vermehrt Depressionen und erhöhte Raten an suizidalen Handlungen insbesondere bei jüngeren und schwerer Betroffenen beobachtet”, so Möhrenschlager.

Therapien führen vielfach nicht sofort zur Abheilung und dies ist für Betroffene sehr belastend. “Darum ist das Management dieser chronischen Erkrankung im Zusammenwirken mit dem Patienten äusserst wichtig”, betont Möhrenschlager eindringlich, und weiter: “Erreichbare Behandlungsziele, beispielsweise eine Reduktion der Krankheitsschübe, geben den Patienten eine Orientierung.

Auch sollen Erkrankte für die aktive Mitwirkung bei der Behandlung gewonnen werden.” Die vielfältigen Möglichkeiten der Therapie sollen aufgezeigt werden und es ist wichtig für den Hautspezialisten, ehrlich zu bleiben und die Behandlungsaussichten realistisch zu beschreiben.

Primäres Behandlungsziel: Die erfolgreiche Eindämmung

Beim Festlegen eines Behandlungsziels, bedeutet oft schon eine Verminderung der Intensität des Leidens ein Erfolg, beispielsweise eine Verminderung der Anzahl Krankheitsschübe oder eine Eindämmung der Intensität der Hauterscheinungen.

Bei der Behandlung der Psoriasis werden primär direkt auf die Haut gebrachte, sogenannte topische Therapien eingesetzt oder – so erforderlich – systemische Behandlungen, die geschluckt, gespritzt oder via Infusion verabreicht werden.

Ziel ist immer die Entzündungsprozesse zu hemmen, sei es auf der Haut oder an den Gelenken. “Erfreulicherweise hilft vielen Patienten bereits eine stadiengerecht eingesetzte topische Therapie sehr gut”, so Möhrenschlager. Für diese Patienten – bis zu drei Viertel aller Betroffenen – hat diese Behandlung einen grossen Nutzen hinsichtlich der Rückbildung der Psoriasis. “Dies ist eigentlich eine gute Nachricht”, sagt Möhrenschlager.

Vielfältige Systemtherapien

Bleibt die topische Behandlung unzureichend, wird sie nicht gut vertragen oder tun sich Behandelte damit schwer (z. B. bei Adipositas-bedingter Einschränkung der Beweglichkeit), dann kann laut Möhrenschlager auch eine UV-Therapie angedacht werden. Diese Strahlenbehandlung kann auch in Kombination mit anderen Therapiemodalitäten eingesetzt werden.

Bei der systemischen Behandlung werden in der Regel zuerst die sogenannten kleinmolekularen Stoffe (DMARD) eingesetzt bevor hochspezifisch wirksame Biologika verabreicht werden. Der grosse Vorteil der kleinmolekularen Stoffe ist ihre zumeist langjährige Bekanntheit. Laut Möhrenschlager sind hier die Wirkungen und Nebenwirkungen bei einer Vielzahl von Patienten sehr gut dokumentiert und Benefit und Risiko einer Anwendung können für den Patienten sehr gut abgeschätzt werden.

Biologika hochwirksam

Bei ungenügendem Ansprechen oder nicht vertragener Behandlung sollte der Einsatz von Biologika erwogen werden. Als Richtschnur hat sich bewährt, dass zunächst diejenigen Medikamente verabreicht werden sollten, die in Studien mit hohen Fallzahlen in puncto Wirksamkeit und Verträglichkeit die besten Kennzahlen aufweisen. “Der Grundgedanke der Biologika liegt in einer massgeschneiderten, zielgerichteten Therapie, die hochwirksam den Krankheitsprozess unterdrückt und damit das Leiden nachhaltig in die Schranken weist”, sagt Möhrenschlager.

Die Wirkung findet nicht nur auf der Haut, sondern auch in den entzündeten Gelenken statt. Die Therapieberechtigung der Biologika, die mit erheblichen Kosten für das Gesundheitssystem verknüpft ist, resultiert aus ihrer hohen Ansprechrate bei einer guten Verträglichkeit.

Behandlungsmöglichkeiten

1. Topische Therapie mit Kortison haltigen Präparaten plus Salicylat haltige Shampoos zur Entfernung von Psoriasis Schuppen der Kopfhaut sowie Schäume, Cremes und Lotionen zur Ablösung von Hautschuppen. Erste Wahl  für die meisten Patienten mit einer mild ausgeprägten, begrenzten oder früh diagnostizierten Psoriasis.

2. Phototherapie mit UV-A- oder UV-B-Strahlen, anschliessend Behandlung mit Psoralenen und langwelligem UV-Licht (PUVA) sogenannte Photochemotherapie. Für Patienten mit einem ausgedehnten Befall der Haut (mittlerer bis schwerer Verlauf)

3. Systemische Therapie mit sogenannten DMARD (disease-modifying antirheumatic drugs). Anwendung bei:

  • ausgedehntem Befall
  • kritischem oder schwer zu behandelnden Stellen (z. B. Hände, Füße, Nägel, Kopfhaut)
  • gleichzeitiger Arthritis

4. Systemische Therapie mit Biologika. Anwendung bei: mäßigem, schweren, behinderndem Verlauf mit Versagen der Therapien 1-3).

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