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Psoriasis-Forschung: Heilung in Sicht?

psoriasis, heilung
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Die Psoriasis-Forschung läuft auf Hochtouren. Dabei kommt besonders den sogenannten Biologika eine grosse Bedeutung zu.

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Prof. Dr. med. Peter Häusermann

Facharzt für Dermatologie und Venerologie, Leitender Arzt Dermatologie am Universitätsspital Basel 

Prof. Häusermann, was bedeutet die Diagnose Psoriasis für die Betroffenen?

In der Regel bedeutet die Psoriasis eine lebenslange Beeinträchtigung und damit verbunden oftmals eine Verminderung der Lebensqualität. Die Erkrankung ist zwar nicht lebensbedrohlich, jedoch aufgrund des Erscheinungsbildes oftmals stark stigmatisierend.

Insbesondere wenn sichtbare Regionen wie die Kopfhaut, Gesichtsregion, Genitalregion, Hände, Füsse oder Nägel stark betroffen sind, kann die Psoriasis zu Hemmungen und Vermeidungsverhalten führen. In der Mehrheit der Fälle muss die Krankheit permanent behandelt werden.

Die Behandlungsmöglichkeiten sind 2019 besser denn je. Welche Fortschritte wurden in den letzten Jahren erzielt?

In der Tat haben die Behandlungsmöglichkeiten in den vergangenen zehn Jahren einen grossen Sprung gemacht. Neben den bekannten therapeutischen Massnahmen, sind sehr wirksame biologische Präparate auf den Markt gekommen, die sogenannten Biologika.

Diese greifen spezifisch in den Entstehungsprozess der Psoriasis ein. In vielen Fällen kann eine vollständige oder fast vollständige Erscheinungsfreiheit erreicht werden.

Einziger Wermutstropfen: Biologika dürfen nur bei der mittelschweren und schweren Psoriasisform verabreicht werden…

Hier gibt es von den Behörden klare Richtlinien und Limitierungen. Ursprünglicher Hauptgrund für die Limitation ist u.a. auch der relativ hohe Preis.

Bei der klassischen Form braucht es eine mittelschwere bis schwere Ausprägung, damit das Medikament von der Versicherung übernommen wird. Und auch dann muss zuerst die klassische Therapie eingeleitet worden sein.

Allerdings ist der Therapieentscheid im Vergleich zu früher individueller und komplexer geworden. So kann heute etwa ein Patient mit eher leichter Ausprägung, jedoch an Stellen, welche die Lebensqualität stark einschränken, ebenfalls stark leiden und von einer modernen Systemtherapie profitieren.

In welchen Situationen wäre denn der Einsatz von Biologika in der Erstlinienbehandlung induziert?

Da klassische konventionelle Systemtherapeutika (Methotrexat, Ciclosporin, Acitretin) teilweise starke Nebenwirkungen an Niere und Leber zeigen, könnten Biologika für Patienten mit Lebererkrankungen, Stoffwechselstörungen oder Herzkreislauferkrankungen in der Erstlinienbehandlung sinnvoll sein.

Ebenso für Frauen, die schwanger werden möchten oder auch für Kinder und Jugendliche. Der Grund: Biologika werden exzellent vertragen und die Sicherheit ist sehr hoch.

Bei der leichten und mittelschweren Psoriasisform werden lokale Therapien sowie Systemtherapien eingesetzt. Weshalb ist die Mitarbeit des Patienten entscheidend für den Behandlungserfolg?

Der Patient steht immer an erster Stelle und seine Sichtweise ist für die Behandlung mitentscheidend. Darauf basierend wird jeweils individuell die passende Therapie zusammengestellt.

Um ein möglichst optimales Ergebnis zu erreichen, muss der Patient allerding seinen Beitrag leisten und den Therapieplan zuverlässig ausführen. Dazu gehört auch ein regelmässiger Arztbesuch.

Wo steht die Psoriasis-Forschung derzeit?

Die Forschung hat in den letzten Jahren grosse Fortschritte erzielt. Wir kennen heute zum Beispiel sehr genau die Entzündungskaskaden der Schuppenflechte und können entsprechend in diese Prozesse gezielt eingreifen. Hier wird sich in den nächsten Jahren noch viel tun.

Ist eine Heilung denkbar?

Zum jetzigen Zeitpunkt ist eine Heilung nicht in Sicht. Allerdings kann bereits mit den heutigen Therapien und insbesondere mit den Biologika erreicht werden, dass viele Betroffene weitgehend beschwerdefrei leben.

Es besteht gegebenenfalls die Hoffnung – dies ist allerdings bis heute noch eine Hypothese – dass die hochwirksamen biologischen Therapien den zukünftigen Krankheitsverlauf günstig beeinflussen können.

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