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Multiple Sklerose

Gute Erfolge nach stationärer Rehabilitation

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Dr. med. Dr. sc. nat. Roman Gonzenbach

Chefarzt für Neurologie und Neurorehabilitation Rehazentrum Valens 

Die stationäre Rehabilitation hat zum Ziel, die Selbständigkeit und Leistungsfähigkeit der betroffenen MS Patienten zu verbessern. Der Neurologe Dr. Roman Gonzenbach sagt dazu: “Wir führen aktuell eine Studie durch, die zeigt, dass eine grosse Mehrheit der Betroffenen nach einem Rehabilitationsaufenthalt eine deutlich bessere Ganggeschwindigkeit aufweist.” 

Dr. Gonzenbach, wann im MS Verlauf ist eine ambulante Rehabilitation sinnvoll?

So pauschal kann man das nicht beantworten. Eine stationäre Rehabilitation ist zum Beispiel dann sinnvoll, wenn Probleme auftreten, die trotz ambulanter Massnahmen keinen Erfolg zeigen.

Zum Beispiel Gangprobleme, die trotz ambulanter Physiotherapie nicht besser werden. Ebenso macht eine stationäre Rehabilitation Sinn, wenn die Betroffenen in ihrer Selbständigkeit zunehmend eingeschränkt sind und die ambulanten Therapiemassnahmen ausgeschöpft sind. 

Welche wesentlichen Ziele verfolgt die stationäre MS Rehabilitation?

Das übergeordnete Ziel ist der Erhalt oder die Verbesserung der Selbständigkeit und damit auch der Lebensqualität.

Gleichzeitig sollen die Betroffenen weiterhin möglichst gut an ihrem Alltag, sei es im Beruf oder im Privatleben, teilhaben können – trotz ihrer Einschränkungen.

Wie sieht der Weg dorthin aus?

Einerseits arbeiten wir mit den Patienten daran, die Funktionseinschränkungen zu vermindern. Etwa, indem versucht wird, eine vorhandene Gangproblematik zu verbessern.

Gleichzeitig lernen die Patienten mit ihren Einschränkungen umzugehen. Das heisst, die Auswirkung der Funktionseinschränkungen sollen minimiert werden, damit die Betroffenen im Alltag möglichst selbständig sein können.

Hierzu gehört zum Beispiel, dass wir den Patienten Kompensationsstrategien aufzeigen. Weiter sind auch die Symptomlinderungen von Spastik, Schmerzen sowie Blasen- und Darmproblemen wichtige Massnahmen.  

Die stationäre Therapie wird individuell auf den Patienten zugeschnitten. Anhand welcher Kriterien werden die Massnahmen zusammengestellt?

Damit ein möglichst gutes Resultat für die Patienten erreichet werden kann, müssen die individuell passenden Therapien zusammengestellt werden.  Hierfür besprechen wir gemeinsam mit den Patienten die Ziele des Rehaaufenthaltes und stellen dann einen massgegeschneiderten Therapieplan zusammen. Im Verlauf wird wiederholt geprüft, ob wir auf dem richtigen Weg sind, oder ob die Therapien angepasst werden müssen. 

Dabei spielt die interdisziplinäre Zusammenarbeit eine besonders grosse Rolle …

In der Tat ist das Teamwork zwischen den Patienten, Therapeuten, Pflegenden und Ärzten in der Rehabilitation entscheidend für den Therapieerfolg. Ein Patientencoach begleitet  die Patienten vom Eintritt bis zum Austritt und ist die erste Ansprechperson für Fragen rund um den Therapieverlauf. 

Wie lange sollte optimalerweise ein stationärer Aufenthalt dauern?

In der Regel dauert ein stationärer Aufenthalt drei bis vier Wochen. In dieser Zeit lassen sich in der Regel sehr gute Erfolge erzielen.

Sie machen dazu aktuell eine Studie. Zu welchen Ergebnissen sind Sie bislang gekommen?

Erste Resultate zeigen, dass unsere Patienten mit MS eine deutliche Verbesserung in ihrer Ganggeschwindigkeit aufweisen. Nach einem drei bis vierwöchigen Aufenthalt, zeigt sich bei Austritt, dass die Patienten im Schnitt etwa ein Viertel schneller unterwegs sind.

Auch schätzen die Patienten ihre Gehfähigkeit nach der Reha deutlich besser ein als davor. Das sind Verbesserungen, die wir zwar nicht bei allen, aber bei vielen Betroffenen erreichen können.

Wie wichtig ist die Unterstützung der MS Patienten auf psychischer Ebene?

Das ist ein sehr wichtiger Punkt. In der psychosomatischen Betreuung wird die Krankheitsverarbeitung unterstützt und Wege aufgezeichnet, wie man trotz der Krankheit und der Einschränkungen ein erfülltes Leben führen kann. Wir versuchen insbesondere auch die Ressourcen zu stärken.

Das heisst, die Patienten lernen, sich auf das zu konzentrieren, was möglich ist und einen positiven Umgang mit ihrer Situation zu finden.

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