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Multiple Sklerose

„Man darf die Hoffnung nie aufgeben“

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iStock.com / shih-wei

Seit Frau G.B. weiss, dass sie an einer speziellen Form von Multiple Sklerose erkrankt ist, hat sie sich und ihr Leben verändert.

PPMS: Diese vier Buchstaben sagten Frau G.B. vor rund zehn Jahren noch rein gar nichts. PPMS ist die seltenste Form von Multipler Sklerose (MS) und verläuft im Gegensatz zu MS nicht schubartig, sondern schreitet allmählich voran.

Als sie knapp 30 Jahre alt war, suchte G.B. den Hausarzt wegen ihrer extremen Müdigkeit auf. „Ich konnte mitten im Tag einschlafen,“ erinnert sie sich.

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Dass diese Müdigkeit („Fatigue“), welche sich deutlich von der Müdigkeit gesunder Menschen unterscheidet, ein häufiges Symptom von Multipler Sklerose (MS) ist, erfuhr sie erst nach einer Überweisung des Hausarztes zu einem Neurologen. „Meine Beine fühlten sich an, als wären sie an Blei gebunden“, erzählt sie. Hinzu kamen Blasenstörungen und ein ständiges Kribbeln an den Beinen.

Nach diversen Tests, wozu unter anderem auch die Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) gehört, sah sich Frau G.B. mit der Diagnose MS konfrontiert.

„Angst hatte ich schon“

Mehrere Jahre blieb die heute knapp 40-Jährige von Schüben verschont, aber die Symptome nahmen zu. Das Laufen bereitete ihr immer mehr Mühe, auch gewisse Gleichgewichtsstörungen stellten sich ein. Psychisch ging es ihr ebenso nicht gut. „Angst, ja Angst hatte ich schon“, räumt sie ein.

Zum Glück habe sie aber nicht unter Depressionen gelitten, bis heute nicht.

Erst zwei bis drei Jahre nach der ersten Diagnose MS sei dann noch präzisere erfolgt: Frau G.B. litt unter PPMS. In der Schweiz sollen etwa 1000 bis 1500 Menschen davon betroffen sein. Da keine PPMS wie die andere verläuft und die Beschwerden differieren, ist die Diagnose nicht immer einfach.

Das Schockerlebnis bei G.B. sass tief, doch das Leben ging irgendwie weiter. Gewisse Medikamente wirkten immerhin gegen einige Symptome der Krankheit. Eine wertvolle Stütze in psychischer Hinsicht sei auch immer ihre Familie gewesen, sagt die zweifache Mutter.

Andere Sicht auf das Leben

Gedanken mache man sich in einer solchen Situation dennoch immer wieder. Nach der Diagnose folgt oft Unsicherheit. Wie sieht die Zukunft aus? Was kommt noch alles auf mich zu? Doch allem Ungemach zum Trotz: Das Hadern mit dem Schicksal helfe letztlich nicht weiter. „Man kann ja doch nichts daran ändern.“ Sich auf Unsicherheit einzulassen und seinen Weg zu gehen, gebe Gelassenheit. Ein Punkt, der ihr wichtig erscheint: „Seit der Diagnose lebe ich bewusster. Ich schätze alles mehr, auch die vielen kleinen Dinge. Ebenso sei sie entspannter geworden.“ Über „Luxusprobleme“ verschwende sie keinen Gedanken mehr.

Und sie wolle möglichst aktiv bleiben, hat sie sich vorgenommen. Dazu zählte unter anderem lange Zeit die Hippotherapie, eine physiotherapeutische Einzelbehandlung auf einem Pferd. Die dabei entstehenden Impulse ermöglichen ein gezieltes Haltungs- und Gleichgewichtstraining, das MS-Patienten guttut und Schmerzen lindert. Das sei bei ihr auch der Fall gewesen. Später ersetzte sie die Pferde-Lektion durch eine zusätzliche Physio-Einheit. Auch Yoga gehörte zum Aktivprogramm, ebenso Krafttraining am Gerät und progressive Muskelentspannung in der Rehabilitation.

Sich nicht verrückt machen lassen

Doch sie musste kürzertreten. Heute sitze sie im Rollstuhl. Laufen gehe noch, aber auch nicht mehr über weite Strecken. Trotzdem will sie nicht verzagen. „Es macht einen doch nur verrückt, wenn man sich Sorgen macht.“ Ihr Credo lautet: „Ich lebe bewusst in der Gegenwart.“ Finanziell sei sie versicherungsmässig wenigstens recht gut abgedeckt.

Angesichts der rasanten Fortschritte in der Medizin setzt sie auch noch auf das Prinzip Hoffnung. „Die Hoffnung nie aufgeben“, ist ein weiteres Lebensmotto, das sie beherzigen will.

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