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«Bei einem so heiklen Eingriff vertraut man sich nicht jedem Arzt an»

eierstockkrebs
eierstockkrebs
Unsplash / becca-tapert

Krebs in einem fortgeschrittenen Stadium: Diese niederschmetternde Diagnose veränderte das Leben von Frau A.M.* von einem Tag auf den anderen. Ein neuer Verein bietet Betroffenen Unterstützung an.

Rund 2000 Frauen in der Schweiz erkranken jährlich an einer gynäkologischen Tumorerkrankung. Zu den häufigsten zählt der Gebärmutterschleimhautkrebs, gefolgt von Eierstockkrebs und Gebärmutterhalskrebs. Ein neuer Verein namens ElleHELP (ellehelp.ch) möchte eine Kommunikationslücke schliessen. Die fachlich betreute Plattform soll eine Anlaufstelle für Betroffene sein, damit sich diese austauschen und Informationen einholen können.

Frau A.M. hätte nie gedacht, dass sie eines Tages plötzlich selber eine dieser Betroffenen sein wird. Wegen einer kleinen Geschwulst in der Bauchnabelgegend wurde sie vor rund zwei Jahren notfallmässig in ein kleines Spital überwiesen. Die Leidenszeit begann.

„Ich habe die Welt überhaupt nicht mehr verstanden“, erinnert sich die heute knapp 50-Jährige. Von den Ärzten im Spital wurde sie aufgeklärt.

„Sie sprachen von einem bösartigen, schweren Verdacht.“ Der Verdacht erhärtete sich.

Ein CT ergab, dass der Krebs schon mehrere Organe befallen hatte. Die Ärzte im Spital teilten ihr mit, dass eine Operation nicht mehr in Frage komme, weil der Krebs bereits zu weit fortgeschritten sei und nur noch palliativ mit einer Chemotherapie behandelt werden könne. Der Schicksalsschlag zog ihr schier den Boden unter den Füssen weg.

„Abgrundtiefe Verzweiflung“

Denn Frau  A.M. machte sich keine Illusionen. „Ich habe jahrelang in einem Spital gearbeitet und wusste, was das bedeutet“, erzählt sie. Die empfohlene Chemotherapie wollte sie anfänglich „sausen“ lassen. „Ich litt nicht unter Schmerzen und war nicht müde. Ich fragte mich, ob es nicht sinnvoller wäre, noch eine kurze Zeit einigermassen gut zu leben und dann abzuschliessen.“

Doch der Überlebenswille war schliesslich stärker, auch wegen ihres Sohnes, der seine Mutter noch möglichst lange behalten sollte.

Wirkungsvolle Chemotherapie 

Die aus mehreren Zyklen bestehende Chemotherapie habe sie grundsätzlich, bis auf die Einführung eines dritten Medikamentes, gut vertragen. Nach der Hälfte der Chemotherapie zeigte ein Kontroll-CT, dass die Chemotherapie wirkte und nach Abschluss der Chemo eventuell doch noch eine Operation möglich wäre.

Gute und weniger gute Zeiten wechselten sich in der Folge ab. Aber immerhin: Nach der letzten Chemotherapie ging es wieder langsam aufwärts, die Blutwerte wurden besser und die geplante Operation konnte erfolgen. Als Chirurg wurde ihr Prof. Dr. Andreas Günthert empfohlen. Um sicher zu sein, holte sie noch eine Zweitmeinung ein und entschied sich dann, die Operation durch diesen Arzt vorzunehmen.

„Nicht jedem anvertrauen“

Die Operation, welche zuerst als unmöglich erachtet wurde, fand dann in einer spezialisierten Klinik doch noch statt, wenn auch mit zeitlicher Verzögerung.

Gebärmutter, Eileiter, aber auch ein Teil der vom Krebs bereits betroffenen Leber wurden entfernt. Zudem musste das Bauchfell abgeschält werden. Das Risiko, dabei an Blase oder Darm verletzt zu werden sei nicht auszuschliessen. „Bei einem so heiklen Eingriff vertraut man sich nicht jedem Arzt an.“

Gut ein Jahr später beantwortet sie die Frage nach ihrem Gesundheitszustand mit „Mir geht es gut“. Alle drei Monate müsse sie noch zur Kontrolle, zudem werde im Abstand von drei Wochen eine Immuntherapie durchgeführt.

Sichtweise geändert

Was ist ihr Fazit nach dem Erlebten, und welchen Tipp würde sie betroffenen Frauen allenfalls auf den Weg geben? Sie habe ihre Sichtweise geändert, sagt sie. Krebs, selbst in einem fortgeschrittenen Stadium, sei heute oft kein Todesurteil mehr, sondern eine chronische Krankheit, mit der man bei guter medizinischer Begleitung durchaus weiterleben könne.

Sie zeigt sich zudem dankbar für die Unterstützung durch den Verein ElleHELP, ebenso für die fundierten Informationen der Krebsliga. Aufpassen sollte man dagegen beim Recherchieren im Netz. „Auch die Ärzte hatten mir davon abgeraten.“

(*) Name der Redaktion bekannt.

ElleHELP

Verein für gynäkologische Krebsarten

Mit einer gynäkologischen Krebsdiagnose beginnt für Betroffene und deren

Angehörige eine Zeit voller Fragen und Unsicherheiten. Der Verein ElleHELP bietet deshalb regelmässig Gesprächsgruppen, unabhängige Informationen, sowie Fachvorträge an, um Raum zu geben, Mut zu machen und bei der Suche nach der best­möglichen Unterstützung zu helfen.

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