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Krebs noch zielgerichteter behandeln

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Ein neues Forschungsprojekt in der molekularen Onkolo­gie könnte zu einem Durchbruch beim Kampf gegen Krebs führen. Der Weg bis zur Entwicklung von Therapiemöglichkeiten ist aber noch weit.

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Prof. Dr. med. Roger von Moos

Präsident Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Klinische Krebsforschung (SAKK)

Das medizinische Verständnis der Entstehung, des Wachstums und der Ausbreitung von Krebs nimmt laufend zu. Viele Tumoren können heute auf molekularer Ebene exakt charakterisiert und die entsprechenden Schlüsse über den voraussichtlich weiteren Verlauf – und die Therapiechancen – einer Krebserkrankung gezogen werden.

Ein neuer Ansatz bei der Erforschung von bösartigen Tumoren weckt neue Hoffnungen.

Hoffnungen, dass man diese Geisel der Menschheit ein beträchtliches Stück besser in den Griff bekommt. Prof. Dr. Roger von Moos dämpft allerdings übertriebene Erwartungen, zumindest was den Zeitfaktor anbetrifft. „Im Rahmen einer Studie werden wir in den nächsten eineinhalb Jahren nun einmal unzählige Daten sammeln und Algorithmen testen“, skizziert der Chefarzt Onkologie am Kantonsspital Graubünden den weiteren Fahrplan.

Erst wenn die riesigen Datensätze entsprechend bearbeitet und interpretiert sind, liessen sich darauf aufbauend hoffentlich zielgerichtet Medikamente und neue Therapieansätze entwickeln.

Eine individuelle, auf den einzelnen Patienten zugeschnittene Behandlung verspreche nicht nur einen grösseren Erfolg, sondern auch weniger Nebenwirkungen.

Alle wichtigen Krebskliniken machen mit

Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Klinische Krebsforschung (SAKK),  welcher Prof. von Moos vorsteht, hat die Initiative für das neue Projekt ergriffen. Die von ihr lancierte Arbeitsgruppe „Molekulare Onkologie“ verfolgt das Ziel, molekularen Veränderungen in Krebszellen auf die Spur zu kommen.

Zu diesem Zweck müssen zuerst fundierte Kenntnisse über die molekularen Gründe von Krebserkrankungen gewonnen werden. „Big data“ macht’s möglich, was einen einzelnen Onkologen restlos überfordern würde: Die Analyse von Millionen von Informationen, welche in eine zentrale Datenbank der SAKK eingegeben werden. „Alle universitären Krebskliniken der Schweiz sowie 15 weitere grosse Krebskliniken sind am Projekt beteiligt”, freut sich von Moos. Er verspricht sich davon ein „kollektives Lernen“ aller Beteiligten.

Nicht mehr nur nach Organen unterteilen

In der Vergangenheit habe man Krebs nach den einzelnen Organen wie Lunge oder Dickdarm, in denen die Krankheit auftrat, beurteilt und darauf die Behandlung aufgebaut.

Der neue Ansatz geht in eine andere Richtung. Im Fokus stünden die Krebszellen, respektive deren genetischer Steckbrief. Krebs könne man mit anderen Worten nicht nur nach den Organen, in denen er als Primärtumor auftrete, beurteilt werden, sondern auch nach seiner genetischen Ausstattung.

Unverwechselbare genetische Eigenschaften in den Krebszellen seien dafür verantwortlich, dass sie irgendwann ausser Kontrolle geraten.

Weil solche Mutationen aber nicht organspezifisch seien, habe das Auswirkungen auf die Therapie: „Gewisse Medikamente können bei Lungenkrebs genauso gut wirken wie bei einem Hautkrebs“, gibt sich Prof. Moos überzeugt. Der Chefarzt verspricht sich einiges von den Erkenntnissen der molekularen Onkologie, die die Behandlung von gewissen Krebsformen stark verändern werde.

Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Klinische Krebsforschung (SAKK) ist eine Non-Profit Organisation, die seit 1965 klinische Studien in der Onkologie durchführt. Ihr wichtigstes Ziel ist es, neue Krebstherapien zu erforschen, bestehende Behandlungen weiterzuentwickeln und die Heilungschancen von krebskranken Patientinnen und Patienten zu verbessern.  
Mehr Infos unter: www.sakk.ch

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